Jane Christo / Interview Juni '12
Über den Roman "Blanche. Der Erzdämon"
Das Interview führte Kathi Rubel
- Liebe Jane Christo, was mich am meisten beschäftigt ... fiel es Dir schwer, eine Figur mit so vorlautem Mundwerk zu schreiben? Oder hast Du es vielleicht sogar richtig genossen?! ;)
Die Heldin war als eine
unsympathische Soziopathin angelegt, zynisch und bitter. Doch hinter
der Fassade der taffen Killerin sucht sie Schutz vor einer Welt, die
ihr alles genommen hat. Die Art und Weise, wie ihr Leben verlaufen ist,
hat für mich nichts anderes zugelassen, als die
Härte, die sich in ihrem Denken, in jeder Geste, widerspiegelt
- und natürlich auch in der Wortwahl. Alles andere
wäre für mich inkonsequent. Da sich Blanche
weiterentwickelt, wird sich auch ihre Sprache verändern. Das
merkt man vielleicht nicht im ersten Band, aber im 2. Teil kann man es
spüren.
- Ich mag die Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit in dem Roman. Wie kamst Du auf die Idee, die Himmel/Hölle-Thematik auf diese Weise zu verarbeiten?
Ich schreibe das, was
ich selbst gerne lese, und dazu gehören u. a. tiefere
Beweggründe kombiniert mit einer Prise Humor.
Als Mephisto-Fan hat mich das Thema Himmel & Hölle schon immer interessiert. Da ich der Meinung bin, dass das jeden etwas angehen sollte, habe ich die Thematik in diesem Roman als eine Art Leitlinie genommen.
Wie würde unsere Welt wohl aussehen, wenn die Menschen wüssten, dass alles, absolut alles, Konsequenzen nach sich zieht? Nicht nur meine Handlungen, sondern auch Worte - sogar meine Gedanken. Würden sich die Leute mehr Mühe geben, ein Leben in Einklang mit sich und ihrer Umwelt zu leben? Interessanter Gedanke, finde ich.
Als Mephisto-Fan hat mich das Thema Himmel & Hölle schon immer interessiert. Da ich der Meinung bin, dass das jeden etwas angehen sollte, habe ich die Thematik in diesem Roman als eine Art Leitlinie genommen.
Wie würde unsere Welt wohl aussehen, wenn die Menschen wüssten, dass alles, absolut alles, Konsequenzen nach sich zieht? Nicht nur meine Handlungen, sondern auch Worte - sogar meine Gedanken. Würden sich die Leute mehr Mühe geben, ein Leben in Einklang mit sich und ihrer Umwelt zu leben? Interessanter Gedanke, finde ich.
- Mafia und Waffen spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte. Wie sah Deine Vorbereitung zu diesen Themen aus? Sicher musstest Du ein fundiertes Wissen anlegen, um nicht in Klischees zu verfallen.
Tatsächlich
bestand ein nicht unwesentlicher Teil der Recherche darin,
entsprechende Datenbanken aufzubauen. Die Mafia-Strukturen spielten
dabei eine wichtige Rolle, wobei man Italienische und Russische
Syndikate auseinanderhalten muss. Denn ob man es glaubt oder nicht,
beide Organisationen sind grundlegend anders aufgebaut.
Zu diesem Thema gibt es tonnenweise Artikel, die ich in MacJournal abgespeichert habe, einer Datenbank, die ständig wächst. Dabei gehe ich davon aus, dass ich vermutlich nicht mal 10% dessen weiß, was ich wissen könnte. Vor einigen Wochen gab es im "Spiegel" einen Bericht zur Fußball-EM in der Ukraine mit dem sinnigen Titel: "Zu Gast bei der Mafia". Wenn man so etwas liest, kann einem das Essen wieder hochkommen.
Darüber hinaus habe ich eine FileMaker-Datei mit allen möglichen Waffensystemen angelegt, angefangen vom einfachen Combat-Messer, bis hin zur Bazooka. Diese Datenbank wächst und gedeiht, denn im 2. Teil kommen noch ganz andere Waffensysteme zum Einsatz.
Zu diesem Thema gibt es tonnenweise Artikel, die ich in MacJournal abgespeichert habe, einer Datenbank, die ständig wächst. Dabei gehe ich davon aus, dass ich vermutlich nicht mal 10% dessen weiß, was ich wissen könnte. Vor einigen Wochen gab es im "Spiegel" einen Bericht zur Fußball-EM in der Ukraine mit dem sinnigen Titel: "Zu Gast bei der Mafia". Wenn man so etwas liest, kann einem das Essen wieder hochkommen.
Darüber hinaus habe ich eine FileMaker-Datei mit allen möglichen Waffensystemen angelegt, angefangen vom einfachen Combat-Messer, bis hin zur Bazooka. Diese Datenbank wächst und gedeiht, denn im 2. Teil kommen noch ganz andere Waffensysteme zum Einsatz.
- Warum nennst Du den Teufel eigentlich "Saetan" und nicht wie geläufig "Satan"?
Bei Saetan war ich mir
anfangs noch nicht hundertprozentig sicher, was im 3. Teil aus ihm
wird. Deswegen wollte ich mir mit dieser minimalen Änderung
eine Hintertür offenlassen. Zunächst ging meine
Überlegung dahin, dass er ein Ort ist, der mit jeder
Sünde wächst. Aus diesem Grund bin ich vom
08/15-Teufel ein bisschen abgerückt, damit im Kopf der Leser
keine zu festgefahrenen Bilder entstehen.
Zwar hat sich die Sache mit dem Ort mittlerweile erledigt, aber ich finde es gut, dass der Name des Teufels etwas ungewöhnlich - wenn nicht schräg - bleibt. Das passt irgendwie zu Blanche ,-)
Zwar hat sich die Sache mit dem Ort mittlerweile erledigt, aber ich finde es gut, dass der Name des Teufels etwas ungewöhnlich - wenn nicht schräg - bleibt. Das passt irgendwie zu Blanche ,-)
- Espresso ist Beliars "Genusssucht". Bist Du selbst ein "Koffein-Junkie"?
Ich liebe meinen Latte
am Nachmittag, aber wenn ich nach etwas süchtig bin, dann ist
das eher Tee ,-)
- Warum hast Du Deinem männlichen Helden ausgerechnet ein "Starbucks-Aroma" zugeordnet?
Weil es für
mich nichts Schöneres gibt, als den Duft von frisch
aufgebrühtem Kaffee. Yummy!
- Es dreht sich ohnehin viel um Gerüche in Deinem Roman. Welche Bedeutung schreibst Du dieser Sinneswahrnehmung zu?
Ich bin der Meinung,
dass eine Geschichte mit allen Sinnen wahrgenommen werden sollte.
Optimaler Weise kann man sich alles gut vorstellen: sieht, was die
Heldin sieht, fühlt mit ihr, hört die
Geräusche, die sie umgeben, wenn sie den Boulevard de Clichy
entlang schlendert und riecht die regennasse Erde nach einem
Regenschauer im Bois de Boulogne. Nur so kann ich den Leser ganz in die
Geschichte hinein nehmen, ansonsten fehlt etwas.
- Nun noch zum Thema "Barmherzige Schwestern". Mit Deiner Beschreibung der Zustände in diesem Heim machst Du ja auf Missbrauch in öffentlichen Einrichtungen aufmerksam. Weshalb lässt Du diese Problematik mit einfließen?
Mir ging es dabei
weniger darum, auf die Problematik in öffentlichen
Einrichtungen aufmerksam zu machen. Missbrauch kann man nahezu
überall finden - ob das ein Kinderheim ist, eine Schule, im
Job. Mobbing ist auch eine Form von Missbrauch und das kommt jeden Tag,
in jedem Land, überall auf der Welt vor.
Was sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht, ist die Gegenüberstellung von "gut" und "schlecht". Obwohl Blanche eine skrupellose Mörderin ist, kann man sie nicht wirklich als böse abstempeln. Sie macht auf taffes Miststück, ist aber insgeheim süchtig nach Liebesschnulzen, auch bekannt als Nackenbeißer.
Das Gleiche gilt für Enzo, ein Mafiosi der alten Schule. Er dealt, mordet, erpresst, schickt Mädchen auf den Strich und verschiebt Waffen. Nichtsdestotrotz kann man ihn nicht einfach verdammen, obwohl er so ziemlich jedes Kriterium eines Bösewichts erfüllt. Enzo hat eine Schwäche für seinen Sohn und für Nella, eine Prostituierte, die mit dem Rücken zur Wand steht. Diese kleinen Schwachstellen lassen selbst den skrupellosesten Gangster beim Leser Sympathiepunkte sammeln.
Bei den sogenannten "Barmherzigen Schwestern" ist es ähnlich, nur umgekehrt. Sie sind Nonnen und sollten den Kindern helfen, ein besseres Leben zu führen. Man erwartet von ihnen, dass sie sich um sie kümmern und mehr als jeder andere selbstlos handeln. Doch das tun sie nicht. Stattdessen leben sie eine sadistische Seite aus, die man ihnen in ihrer Funktion als Ordensschwestern erstmal nicht zutraut.
Es ist ein bisschen wie in Macbeth: "Fair is foul, and foul is fair". Darum geht es mir im Kern, also um die Umkehrung von "Gut" und "Böse" bzw. das Aufweichen der Grenzen.
Was sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht, ist die Gegenüberstellung von "gut" und "schlecht". Obwohl Blanche eine skrupellose Mörderin ist, kann man sie nicht wirklich als böse abstempeln. Sie macht auf taffes Miststück, ist aber insgeheim süchtig nach Liebesschnulzen, auch bekannt als Nackenbeißer.
Das Gleiche gilt für Enzo, ein Mafiosi der alten Schule. Er dealt, mordet, erpresst, schickt Mädchen auf den Strich und verschiebt Waffen. Nichtsdestotrotz kann man ihn nicht einfach verdammen, obwohl er so ziemlich jedes Kriterium eines Bösewichts erfüllt. Enzo hat eine Schwäche für seinen Sohn und für Nella, eine Prostituierte, die mit dem Rücken zur Wand steht. Diese kleinen Schwachstellen lassen selbst den skrupellosesten Gangster beim Leser Sympathiepunkte sammeln.
Bei den sogenannten "Barmherzigen Schwestern" ist es ähnlich, nur umgekehrt. Sie sind Nonnen und sollten den Kindern helfen, ein besseres Leben zu führen. Man erwartet von ihnen, dass sie sich um sie kümmern und mehr als jeder andere selbstlos handeln. Doch das tun sie nicht. Stattdessen leben sie eine sadistische Seite aus, die man ihnen in ihrer Funktion als Ordensschwestern erstmal nicht zutraut.
Es ist ein bisschen wie in Macbeth: "Fair is foul, and foul is fair". Darum geht es mir im Kern, also um die Umkehrung von "Gut" und "Böse" bzw. das Aufweichen der Grenzen.
- Ich finde den Gedanken schön, dass es für jede Seele Erlösung geben kann. Ist das nur Teil der Geschichte oder Dein fester Glaube?
Sowohl als auch.
- Genug der tiefgründigen Fragen; vielleicht noch ein bisschen Allgemeines? Wie würdest Du selbst Deinen Roman in einem Satz beschreiben?
Es geht um Blanche, eine
verstörte Seele, deren Drang nach Rache zu einer Reise zu sich
selbst wird, nach Liebe und der Frage, was das Leben lebenswert macht.
- Wir sind gespannt auf die Fortsetzung "Blanche. Die Versuchung". Mach uns den Roman doch schon einmal schmackhaft.
Der 2. Teil wird rasant.
Blanche und Beliar haben es nicht leicht. Was Blanche im ersten Band so
einfach in den Schoß gefallen ist, darum wird sie im
Folgeband kämpfen müssen. Bisher hat sie herzlich
wenig für die Beziehung getan, hat im Grunde Beliar die ganze
Arbeit überlassen. Sie muss lernen, was Liebe ist,
akzeptieren, dass sie liebt - denn seien wir mal ehrlich, darin ist sie
nun wirklich keine Expertin.
Allen Paris-Liebhabern möchte ich an dieser Stelle empfehlen, noch schnell eine Stadtrundfahrt zu buchen. Denn wenn Blanche mit dem französischen Kapitol fertig ist ... nun ja, das wird kein schöner Anblick, so viel ist sicher.
Allen Paris-Liebhabern möchte ich an dieser Stelle empfehlen, noch schnell eine Stadtrundfahrt zu buchen. Denn wenn Blanche mit dem französischen Kapitol fertig ist ... nun ja, das wird kein schöner Anblick, so viel ist sicher.
- Wie und wo schreibst Du am liebsten?
An meinem Schreibtisch.

- Wobei kommen Dir die besten Ideen?
Ideen kommen immer und
von überall her. Nicht selten beim Spazierengehen, reiten oder
auch im Kino. Manchmal ist es ein Bild, ein Song oder ein Satz, den ich
irgendwo aufschnappe.
- Und welche Art Bücher liest Du selbst?
Das wechselt. Derzeit
lese ich Urban-Fantasy & Jugendbücher. Vor ein paar
Jahren waren es Biographien und davor Thriller.
- Nennst Du uns den Titel Deines zuletzt gelesenen Romans?
"Grey Eyes" von
Quinteria Ramey und Brandon Alston (Teil 1 der Forever Trilogie)
- Hast Du literarische Vorbilder? Wenn ja, wer sind sie und warum?
Ich habe eine ganze
Reihe von Lieblingsautoren, aber das sind nicht wirklich Vorbilder
für mich. Manche inspirieren mich, andere irritieren mich,
wieder andere bringen mich zum Lachen.
- Und die abschließende Frage: Was würde Blanche noch zu unseren Leserinnen und Lesern sagen?
Sind Kinder anwesend?
Ich bin nicht sicher, ob sie das hören sollten ,-)
Vermutlich würde sie etwas Unpassendes sagen, etwas in der Art:
"Zum Teufel, was soll ich groß sagen? Ich hab's nicht so mit Ansprachen, also überlasst das Gequatsche jemand anderem."
Vermutlich würde sie etwas Unpassendes sagen, etwas in der Art:
"Zum Teufel, was soll ich groß sagen? Ich hab's nicht so mit Ansprachen, also überlasst das Gequatsche jemand anderem."
Kathi, vielen Dank für
das Interview, ich habe mich sehr gefreut!
Jane, ich danke Dir!
Ich würde mich über eine Fortsetzung zum zweiten Teil "Die Versuchung" freuen ;)
Jane, ich danke Dir!
Ich würde mich über eine Fortsetzung zum zweiten Teil "Die Versuchung" freuen ;)